Juristische Themen ausführlicher

Diese Liste von Themen ist nicht abschließend zu verstehen, sondern soll einen Einblick in die Komplexität geben und somit verständlich machen, warum der Strafverfolgungsprozeß im Deliktfeld Menschenhandel noch nicht so optimal funktioniert.

Gutachten im Strafprozess

Ein anderer Bereich ist die Beauftragung von Gutachtern im Strafprozess. Sofern Richter und Staatsanwälte noch nicht ausreichend über die Komplexität der psychischen Störung der Betroffenen informiert sind, neigen sie dazu, die Begutachtung nicht durch ausgewiesene Fachexperten durchführen zu lassen. Dadurch verliert die Aussagekraft der Betroffenen an Substanz bzw. man zweifelt ihre Glaubwürdigkeit an. Hier muss Grundlagen-forschung vorangetrieben werden, damit entsprechend spezialisierte Gutachter vermehrt zum Einsatz kommen.

Das Verfahren

Der Strafprozess stellt für viele Betroffene eine Retraumatisierung und enorme physische und psychische Belastung dar. Der Prozess erstreckt sich über einen langen Zeitraum, in der die Opfer zum Warten gezwungen sind. Da ihr Aufenthaltstitel ungeklärt ist, kehren viele auch zurück in ihre Heimatländer, wo sie erneut in den Teufelskreis geraten können. Es gibt auch keine offizielle Bezuschussung der Reisekosten zu den Gerichtsterminen oder aber Bezahlung von Kursen in der Zwischenzeit. Insofern stellt allein schon die Dauer der Wartezeit eine hohe Last dar. Hinzu kommt, dass sie im Prozess ihren Peinigern gegenüber stehen und die Aussagen vor ihnen wiederholen müssen. Die Anwälte der Gegenseite agieren meist sehr taktisch-aggressiv und mindern die Aussagekraft geschickt. Die Opfer erleben eine enorme Peinigung. Die Betroffenen fühlen sich durch ein zermürbendes Verfahren ohne Verurteilung zusätzlich gedemütigt.

Gerichtssaal

Die Umgebung des Gerichts wirkt auf viele Betroffene beängstigend/einschüchternd, insbesondere wenn sie die deutsche Sprache nicht beherrschen oder negative Erfahrungen mit staatlichen Behörden gemacht haben. Hier wäre eine sensible Vorbereitung auf den Ablauf, die teilnehmenden Personen und die Räume durch die Staatsanwälte sehr hilfreich. Wenn die Betroffenen zudem über keine oder geringe Ausbildung verfügen, können sie das Verfahren nicht nachvollziehen und sind hilflos. Hier wären Aufklärungsarbeit und Schulungen notwendig.

Fall-Management

Die meisten Betroffenen wollen ihre Identität nicht Preis geben, da sie durch die Täter bedroht werden und meist kein Vertrauen in staatliche Einrichtungen haben. Daher wenden sie sich meist an Fachberatungsstellen mit der Bitte, nicht die Daten zur Polizei zu übermitteln. Dennoch wäre es für eine systematische Aufdeckung der Verbrechens- und Täterstrukturen wichtig, die Fakten und Informationen der einzelnen Fälle zu strukturieren und für die Ermittlungsarbeit der Justiz und Polizei zugänglich zu machen. Doch dies scheint ein unlösbarer Konflikt zu sein, den die Akteure der organisierten Kriminalität geschickt zu ihren Gunsten nutzen.

Bestechung und Korruption

Die Geldmittel und Macht der Täter scheinen unbegrenzt. Auch in Deutschland werden Beamte von Justiz und Polizei bestochen oder sind als Konsumenten von Zwangsdienstleistungen selbst in das Thema verstrickt. Insofern haben Betroffene und Hilfsorganisationen kein Vertrauen in die Wirksamkeit von juristischen Verfahren.